Der Taoist beeindruckt mich als jemand, der nicht so sehr nach etwa sucht, das ihm fehlt, sondern genießt, was er hat.

 

Und wenn sie tausendmal den Gebrauch des Wortes tao begutachtet haben, könnten sie sich daran versuchen, ihre Klugheit unter Beweis zu stellen, indem sie eine einzige Definition formulieren, die die ganze Vielfalt abdeckt. Aber selbst wenn es ihnen gelingt, wird ihre Definition all denen trotzdem vollkommen leer erscheinen, die nicht über die konkrete Erfahrung verfügen, wie es tatsächlich ist, mit dieser Philosophie zu leben!

 

Raymond M. Smullyan „Das Tao ist Stille“

 

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Bei großer Poesie ist die freieste Übersetzung manchmal die genaueste.

 

Ich habe häufig ziemlich wörtlich übersetzt - oder eben so wörtlich, wie es bei einem so subtilen, vielschichtigen Buch wie dem Tao te king möglich ist. Aber ich habe auch paraphrasiert, erweitert, zusammengezogen, gedeutet, mit dem Text gearbeitet, damit gespielt, bis er schließlich eine sprachliche Form annahm, die mir genau richtig vorkam. Falls ich nicht immer Laotses Worte übersetzt habe, so wollte ich doch stets das Gemeinte, seine Intention übersetzen.

Stephen Mitchell

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Für alle, die die chinesische Sprache nicht kennen, muß vorweggeschickt werden, daß die chinesische Sprache nicht aus aneinandergereihten phonetischen Wörtern besteht, sondern aus Piktogrammen, besser gesagt aus Ideogrammen, welche Bild- oder Symbolcharakter haben. In den Zeichen sind in sehr abstrakter Form geistige Inhalte von einem höheren Bewusstsein eingeschlossen. Die Zeichen wirken wie Symbole auf den ganzen Menschen und richten sich nicht nur an den Intellekt. Die Chinesen wussten um die Einheit des Seins. Mit diesen genialen Zeichen wurden andeutungsweise Richtlinien gegeben, aber keine Trennungslinien zwischen den verschiedenen Teilen der Manifestation geschaffen. So versteht jeder einen Text aus dem frühen China auf der Ebene, auf der er sich befindet. Einem Sucher kann somit nur nahegelegt werden, der Übersetzung zu folgen, die in ihm eine Resonanz auslöst.

Heinz Klein  

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Laotses Sinnsprüche sind blitzartige Einsichten. Diese Geistesblitze gleichen vollendet geschliffenen Edelsteinen. Sie sind in sich vollkommen und glänzen oft schöner, wenn sie angefasst sind. Aber der menschliche Geist verlangt immer nach Verständnis auf höherer Ebene. Überdies lassen sich Laotses Kostbarkeiten orakelhafter Weisheit selbst im Chinesischen verschiedenartig auslegen, was noch mehr von deren Übersetzung in eine Sprache mit grundverschiedenen Begriffen und Anschauungen gilt.

Lin Yutang

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